Wie kommt unser Schrott nach Ghana und wie kann das verhindert werden?
- agbocycle
- 3. Jan. 2021
- 2 Min. Lesezeit

Im globalen Norden ist es mehr die Regel als die Ausnahme, dass defekte Elektronik entsorgt statt repariert wird, selbst wenn sie noch funktioniert und nur nicht mehr neu genug erscheint. Viele dieser Geräte werden tonnenweise in andere Kontinente verschifft. Der Großteil geht in Richtung Afrika und vieles davon landet auf dem Schrottplatz Agbogbloshie in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Der Hamburger Hafen, der der größte deutsche Container-Umschlagplatz ist, wird von Reedereien im Liniendienst zwischen Europa und Afrika genutzt. Laut der Baseler Konvention, einer Neufassung des Elektrogesetzes im Jahre 2015 müssen Exporteure jedoch vor der Beladung nachweisen, dass Altware noch funktionstüchtig ist, ansonsten darf Elektroschrott nicht in Entwicklungsländer exportiert werden. Der Handel mit deutschen Gebrauchtgeräten boomt, denn diese werden (hauptsächlich aus Afrika) meist lieber angekauft und als qualitativer angesehen als Neuware aus China. Allerdings fallen die Kontrollen der verschifften Ware schon in Deutschland eher bescheiden aus; in Ghana gibt es sie überhaupt nicht. Von dem deutschen Funktionsnachweis haben die meisten Mitarbeiter im Hafen von Tema noch nie gehört, etwa ein Drittel der verschifften Ware funktioniert nicht. Selbst die ghanaischen Schrotthändler, die letzte Station der Altgeräte auf dem Weg vom Hamburger Hafen bis nach Ghana, überprüfensie erst nach dem Ankauf, da sie so billiger sind.
Es liegt auf der Hand, dass die Kontrollen bei den Exporten verschärft werden müssen. Ein erster Schritt dazu wäre eine Aufstockung des Personals. Doch das Problem beginnt bereits vorher: Die Verantwortung der Hersteller von Elektronik muss gesteigert werden, konkrete Maßnahmen dazu wären Qualitätszeichen und Umweltlabels zur Beeinflussung der Kaufentscheidung der Verbraucher. Weiterhin sollten die Sammelstrukturen verändert werden, damit verhindert wird, dass Elektro- und Elektronik-Altgeräte in undurchsichtige Entsorgungswege gelangen. Auf Bundesebene sollte außerdem eine höhere Recyclingquote gefordert werden, die die Produzenten stärker in die Pflicht nimmt. Nichtsdestotrotz müssen auch auf ghanaischer Seiter stärkere Kontrollen eingeführt werden, damit selbst unter der Voraussetzung, dass alle vorher genannten Maßnahme umgangen wurden, die Einfuhr von Elektroschrott verhindert werden kann. Dazu muss der formelle Recyclingsektor verbessert werden, der neben dem sehr gut organisierten informellen Sektor bisher kaum Fuß fassen konnte. Durch einen Techniktransfer können europäische Länder so die Importländer dabei unterstützen, geeignete Abfallentsorgungseinrichtungen und -infrastrukturen zu integrieren und auch die Rechtslage muss verändert werden, damit die europäische Standards des Handels künftig auch in Entwicklungsländern konsequent eingehalten werden können.


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